Blaue Plakette: Bleibt der Diesel draußen?

Ist die blaue Plakette das Aus für Autos mit Dieselmotoren?

: Die blaue Plakette kommt. Mit welchen Konsequenzen Halter von Dieselahrzeugen rechnen müssen, ist aber noch unklar.

Dieselkraftstoff ist bei vielen beliebt, weil er günstiger ist als Benzin. Allerdings stellen die Stickoxide eine größere Belastung für Mensch und Umwelt dar. Grund genug für Bundesumweltministerin Barbara Hendricks, die blaue Plakette einführen zu wollen. Das stößt jedoch auf den Widerstand von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Welche Konsequenzen hätten die blauen Plaketten für Autofahrer ­– vor allem für diejenigen, die mit Diesel fahren?

 

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Bessere Luft in der Innenstadt?

Fast alle Benziner und E-Autos würden die blaue Plakette ohne Schwierigkeiten erhalten, da ihr Ausstoß von Stickoxiden geringer ist. Der Vorschlag Hendricks bedeute aber nicht, dass Dieselfahrzeuge nicht mehr in der Innenstadt fahren dürfen. Erfüllen sie die Abgasnorm 6, bekommen auch sie die Plakette. Hierbei hat man aber aus der VW-Affäre gelernt: Nur wenn die EU-Grenzwerte auf der Straße unterschritten werden, gibt es „blaues“ Licht für Autos mit Dieselmotor.

 

Zwei wichtige Fragen sind im Vorfeld aber noch zu klären:

  1. Wer testet und wer wird die Plakette abschließend vergeben?
  2. Wie sollen die neueren Euro-5-Autos nachgerüstet werden?

 

Vorschlag trifft auf breiten Widerstand

Dobrindt bezeichnet die Idee der blauen Plakette laut „Bild am Sonntag“ als „unausgegoren und mobilitätsfeindlich“. Auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Oppermann zeigt sich skeptisch. Seiner Ansicht nach gehe das Konzept „an der Realität vorbei“. Auch der ADAC und die Autoindustrie kritisieren das Vorgehen. Laut Focus würden nach Hochrechnung des Automobilclubs rund 18 Millionen Autos aus den Innenstädten ausgesperrt, da sie die Abgasnorm 6 nicht erfüllen. Ein weiteres Argument für Dieselfahrzeuge: Sie stoßen weniger CO2 aus als Benziner.

 

Hendricks beschwichtigt

Die Bundesumweltministerin hält dagegen und versucht die Kritiker zu beruhigen. Sie betont, dass es nur in kleinen, stark befahrenen Gebieten zu Fahrverboten kommen werde. Diese Bereiche werden deutlich kleiner ausfallen als die bisherigen Umweltzonen mit grüner Plakette. Ob die Kommunen solche Zonen überhaupt einrichten, bleibt ihnen jedoch selbst überlassen ­– zumal deren Größe Experten erst im Vorfeld ermitteln müssten.

 

Hendricks betont weiterhin, dass es Übergangfristen geben werde. Neue Autos können zwischen September 2019 und Januar 2021 noch die Grenzwerte um das Doppelte überschreiten. Danach dürfen die Grenzwerte nur noch um die Hälfte überschritten werden.

 

Hendricks steht dabei unmittelbar unter Druck: Vor allem aufgrund des VW-Skandals ist die EU verstärkt auf die Stickoxide aufmerksam geworden. Deswegen läuft seit 2015 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesregierung, da die von der Europäischen Union festgelegten Grenzwerte oft nicht eingehalten werden.

 

Noch nichts unter Dach und Fach

Angesichts der verschiedenen Standpunkte ist bisher keine spruchreife Entscheidung in Sicht. Erst wenn sich die Bundesregierung einigt, folgt diese. Vermutlich wird die Regelung auch weniger streng ausfallen als von den Umweltministern von Bund und Ländern gewünscht. Verbraucher sollten daher nicht in Panik verfallen und befürchten, dass ihre Dieselfahrzeuge in Zukunft nur noch eingeschränkt nutzbar sind. Dennoch sollten sich Autofahrer informieren, ob und welche Möglichkeiten es gibt, das Fahrzeug umzurüsten.

 

 

Mit Material von dpa, focus

Bild © Jürgen Fälchle – Fotolia.com

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