Die deutschen Klimaziele für 2020 stehen auf der Kippe

Die Klimaziele stehen auf der Kippe

Deutschland als Vorreiter für die Klimapolitik? Diese Ambitionen sind derzeit hoch, denn Subventionen für Industrie und Verkehr konterkarieren die Klimaziele.

Die Bundesregierung will bis zum Jahr 2020 eine Reduzierung der jährlichen CO2-Emissionen um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 erreichen. Mit diesem Anspruch soll Deutschland die internationale Vorreiterrolle beim Kampf gegen die globale Erwärmung einnehmen. Doch mehrere Studien zeigen, dass dieses Ziel beim aktuellen Stand der Energiewende wohl nicht erreicht werden wird. Weitere Maßnahmen sind notwendig. Diese sind bei Wirtschaft und Verbrauchern jedoch wenig beliebt.

 

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Klimaziele im Strombereich sind erreicht

Bisher steht im Bereich Klimaschutz vor allem der Stromsektor im Mittelpunkt. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien in den vergangenen Jahren wurden hier große Fortschritte erzielt. Auch der verringerte Einsatz von Kohlekraftwerken zugunsten von Erdgaskraftwerken drückt die CO2-Bilanz der Stromerzeugung in Deutschland.

 

Laut Agora Energiewende sind die CO2-Emissionen im Bereich Strom im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr um 1,6 Prozent zurückgegangen und liegen nun insgesamt bei 306 Millionen Tonnen. Das bedeutet eine Senkung im dritten Jahr in Folge. Allerdings sind die gesamten CO2-Emissionen in Deutschland von 908 auf 916 Millionen Tonnen angestiegen. Der Grund: In den Bereichen Industrie, Wärme und Verkehr steckt der Klimaschutz im Vergleich noch in den Kinderschuhen.

 

„Die Energiewende ist nicht nur eine Sache des Stromsektors – jetzt müssen auch Industrie, Wärme und Verkehr ihre Klimaschutzbeiträge liefern“, so Patrick Graichen, Direktort von Agora Energiewende.

 

Umweltexperten sehen Klimaziele verfehlt

Dass die Klimaziele 2020 nicht ohne zusätzliche Kraftanstrengungen erreicht werden können, halten sowohl die Experten von Agora Energiewende als auch das Institut für ZukunftsEnergieSysteme (IZES) für ausgemacht. Laut einer Studie des IZES im Auftrag von Umweltverbänden fehlen noch jährliche Einsparungen von mindestens 45 Millionen Tonnen Treibhausgasen pro Jahr.

 

Eine Möglichkeit wäre, die Kohlekraftwerke in Deutschland schneller abzuschalten. Doch einige Vertreter der Regionen, die vom Kohleabbau profitieren, wollen darüber nicht einmal sprechen. In den anderen Bereich lassen weitere Maßnahmen noch auf sich warten.

 

Staatliche Subventionen laufen Klimazielen entgegen

Gleichzeitig fördert der Staat den Energieverbrauch und damit die Belastung des Klimas mit einer ganzen Reihe von Subventionen. Laut Umweltbundesamt (UBA) beliefen sich diese Finanzhilfen im Jahr 2012 auf insgesamt 57 Milliarden Euro. Der größte Teil dieser Hilfen entfällt auf den Verkehrssektor, danach folgt die Energieerzeugung und der verbilligte Verbrauch von Energie.

 

„Wir leisten uns beim Subventionsabbau seit Jahren riesige blinde Flecken. Es ist paradox: Deutschland verpflichtet sich auf internationaler Ebene zu mehr Klimaschutz. Gleichzeitig honorieren wir im eigenen Land klimaschädliches Verhalten mit Steuergeldern. Es ist daher konsequent, dass die Bundesregierung den Abbau klimaschädlicher Subventionen im Klimaschutzplan 2050 endlich auf die Agenda gesetzt hat. Jetzt müssen den Worten aber auch Taten folgen“, so UBA-Präsidentin Maria Krautzberger.

 

Mit Material vom Agora Energiewende und IZES

 

Bild: © ferkelraggae – Fotolia.com

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