Digitales Klassenzimmer: Ab 2018 lernen Schüler mit dem Smartphone

Digitales Klassenzimmer: Lernen mit Smartphone und Tablet

Ab dem ersten Schultag: Lernen mit digitalen Medien

Am 08.12.2016 beschloss die Kultusministerkonferenz (KMK), um die Senatoren für Bildung und Kultur aller 16 Bundesländer, die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“. Schon im Mai wurde das Konzept als Entwurf vorgestellt und macht nun als Idee vom „digitalen Klassenzimmer“ die Runde. Lernen mit Smartphone oder Tablet soll danach ab 2018 von der ersten Klasse bis zur Berufsbildung fester Bestandteil des Unterrichts werden. Doch was bedeutet das für Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern?

Ausgangspunkt: Digitale Medien sind allgegenwärtig

Nicht allein, weil heute fast jedes Kind und jeder Jugendliche ein Smartphone besitzt, sei die Strategie notwendig. Die KMK hält außerdem fest, dass kaum eine berufliche Tätigkeit ohne digitale Medien auskommt. Vom Bedienen eines Melkroboters in der Landwirtschaft über Logistik- und Abrechnungsprogramme in kaufmännischen Berufen bis hin zur Ferndiagnose im Gesundheitssektor – die technische Entwicklung schreitet unaufhaltsam voran. Auch jeder Studienabschluss setzt heute eine hohe Affinität zu digitalen Medien voraus.

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Digitales Lernen ab dem ersten Schultag

Um möglichst viele Fassetten des Umgangs mit digitalen Medien einzuschließen und das Lernen mit diesen richtig zu vermitteln, sollen Smartphones und Tablets ab der ersten Klasse Einzug in den Unterricht halten. Spielen und Chatten stehen natürlich nicht auf dem Lehrplan. Vielmehr geht es darum, das Internet und moderne Informationstechnologie in alle Schulfächer einzubinden und zu einem Teil des Bildungsstandards in ganz Deutschland zu machen. Damit erhält die Allgemeinbildung eine neue Komponente.

Was soll Schülerinnen und Schülern vermittelt werden?

In erster Linie unterstützt die Strategie der KMK die Vermittlung bisheriger Inhalte des Unterrichts und will Möglichkeiten aufzeigen, besser auf das individuelle Lernverhalten von Schülerinnen und Schülern einzugehen. Digitale Bibliotheken sollen dabei mit Bild- und Videomaterial unterstützen. In den höheren Klassenstufen und der Berufsbildung fließen außerdem Anwendungen und Programme ein, die komplexe Prozesse und Sachverhalte, beispielsweise in Mathematik und Physik, veranschaulichen oder in Zusammenhang mit Alltagssituationen bringen.

Auch das Lernen und Arbeiten in Gruppen sowie Netzwerken soll forciert werden. Der gemeinsame Austausch von Unterrichtsinhalten ist dabei nicht nur beim Erledigen von Hausaufgaben nützlich, das Erlernen von Fremdsprachen könnte durch internationale Partnerprogramme frühzeitig und regelmäßig für Anwendungsmöglichkeiten (z.B. Videochat) sorgen. Der Musik- und Kunstunterricht erhält durch digitale Medien ein breiteres Angebot, während die Berufsbildung mehr Nähe zu den jeweiligen Tätigkeiten herstellen kann.

Kernkompetenz: Verantwortungsvoller Umgang

Neben den Inhalten des jeweiligen Unterrichtsfachs sollen Schulen weitere Kompetenzen vermitteln. Ein Bewusstsein für den verantwortungsvollen Umgang mit dem Internet und digitalen Medien soll entstehen. Dabei geht es zum einen um die Suche und das Verarbeiten zum anderen um das Analysieren und kritische Reflektieren von Informationen. Gefördert wird damit aber auch das Produzieren und Kommunizieren von Ergebnissen und Lösungen. Mit der verstärkten Einbindung digitaler Medien in das tägliche Leben wird nicht zuletzt der persönliche Schutz ein Thema. Welche Verbreitung private Daten im Internet finden und welche rechtlichen Vorgaben helfen, wird daher Teil der Schulbildung.

Was bedeutet das für Lehrkräfte und Eltern?

Ob an Grund- oder Berufsschulen, Gymnasien oder Universitäten, Lehrkräfte in Deutschland sollen nach den Sommerferien 2018 die Inhalte der KMK-Strategie umsetzen. Obwohl es bisher keine konkreten Pläne gibt, werden umfangreiche Weiterbildungen notwendig. In der Ausbildung neuer Lehrkräfte sind dann der Umgang mit digitalen Medien sowie die entsprechende Unterrichtsgestaltung ein wichtiges Thema. Bis etwa 2022 will die KMK ihr Vorhaben deutschlandweit umgesetzt haben. Ein sehr ehrgeiziges Ziel, möchte man meinen.

Eltern werden die neue Verantwortung der Schul- und Berufsbildung in Deutschland ebenfalls mittragen müssen. Um ihre Kinder zu unterstützen, werden sie ihre Kompetenzen um digitale Medien erweitern oder aber von ihren Schützlingen lernen müssen. Denn wer seinem Kind auch nach dem kommenden Schuljahr noch bei den Hausaufgaben helfen will, muss sich nicht nur mit Naturwissenschaften, Deutsch oder Musik auskennen.

Tablet statt Bücher und Tippen statt Schreiben?

Die KMK betont in ihrer Strategie, dass digitale Medien Anteil an jedem Unterrichtsfach haben sollen, nicht aber Grundlagen verdrängen dürfen. Auch wenn der Umgang mit moderner Technologie und dem Internet eine wichtige Rolle spielt, sollen digitale Medien ein Hilfsmittel und Werkzeug sein. Weiterhin steht die Vermittlung der Inhalte des jeweiligen Fachs im Vordergrund. Das Schreiben an der Tafel oder von Prüfungen per Hand wird folglich wie bisher vermittelt.

Ob Schulkinder nun weniger große Schultaschen tragen müssen, weil ein Tablet womöglich ein zwei Bücher ersetzt, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Sorge, ein teures Smartphone oder Tablet als Schulmaterial fürs Kind anzuschaffen, ist hingegen wohl unbegründet. Denn die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Eltern dürfen sich nicht zum Vor- oder Nachteil einzelner Schülerinnen und Schüler auswirken. Diese Unterscheidung darf an deutschen Schulen nicht vorkommen und so werden konkrete Pläne zur finanziellen Umsetzung der Strategie folgen.

Große Investitionen in die digitale Infrastruktur

Durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung wurden bereits im Oktober 2016 5 Milliarden Euro für die Verbesserung der digitalen Infrastruktur an Schulen in Aussicht gestellt. Allerdings kann dies nur der Anfang sein, da sind sich Bildungsexperten einig. Denn um einen neuen Bildungsstandard in Deutschland auf Dauer zu etablieren, braucht es nicht nur entsprechende Ausstattung an Schulen. Auch die Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften muss zielführend ausgerichtet und umfangreiche digitale Bildungsmaterialien angefertigt werden. So ist das Vorhaben, jeden Schüler bis 2021 mit einem Internetzugang zu versorgen, nur eines von vielen Zielen hin zu einem „digitalen Klassenzimmer“.

 

Quelle: Kultusministerkonferenz, kmk.org

Bild: © photoniko – Fotolia.com

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