DSL-Vectoring: Telekom bekommt Erlaubnis der BNA

DSL-Vectoring nur von der Telekom?

Die BNA hat zugelassen, dass die Telekom das umstrittene DSL-Vectoring einsetzen kann – aber unter Auflagen

Einmal Monopolist, immer Monopolist? Die Bundesnetzagentur (BNA) hat sich dieser Tage wohl keine Freunde gemacht. In einem Entscheidungsentwurf wurden die Rahmenbedingungen für DSL-Vectoring und damit der Zugang zur Teilnehmeranschlussleitung (TAL – auch „letzte Meile“ genannt) definiert. Demnach kann die Telekom anderen Providern den Zugang zur TAL in der näheren Umgebung ihrer Hauptverteiler verweigern. Gleichzeitig wird der rosa Riese aber auch dazu verpflichtet, anderen Anbietern den Zugang zur entbündelten TAL zu gewähren.

 

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Die wichtigste Frage für den Verbraucher lautet jedoch: Sinken oder steigen dadurch die Preise für die DSL-Anschlüsse? Durch eine Remonopolisierung der Telekom könnte letztes Szenario eintreten und eine Wettbewerbssituation wäre nicht mehr gegeben – wohl zu Lasten der Kunden. Der Branchenverband VATM (Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten) argumentiert in diese Richtung und meint weiter, dass dadurch weiterhin auf die alten Kupferleitungen gesetzt werde statt auf den Ausbau des Glasfasernetzes.

 

Ist die Telekom im Vorteil?

Auf den ersten Blick scheint es so, dass die Telekom damit im Vorteil ist. Doch der Kompromissvorschlag der Bundesnetzagentur sieht Folgendes vor: Wettbewerber, die sich in einem Gebiet engagierter für den Ausbau einsetzen, sollen den Vorzug beim DSL-Vectoring erhalten. Somit würde dann nur dieser Provider in der Region schnelles Internet mit bis zu 100 Mbit/s anbieten können. Hier muss seitens der Unternehmen allerdings eine verbindliche Zusage bis Ende Mai 2016 erfolgen. Philipp Blank, Konzernsprecher der Telekom, weist ebenso darauf hin: Er meint, dass der Rohentwurf nicht bedeute, dass die Telekom sämtliche Nahbereiche ausbauen könne. Vielmehr hätten auch die anderen Wettbewerber die Möglichkeit auf einen exklusiven Ausbau des Vectorings. Das stelle auch für die Telekom eine Schwierigkeit dar, so Blank weiter. Dennoch habe der Entwurf der BNA keine Auswirkungen auf die Investitionen der Telekom. Der Breitbandausbau werde wie geplant vorangetrieben.

 

Die Entscheidung der BNA sehe zudem vor, dass die Telekom einen Ausgleich für die Mitbewerber schaffen müsse, sollte sie alleinigen Zugriff auf die letzte Meile erlangen. Laut Regulierungsbehörde müsse das Unternehmen der Konkurrenz ein lokal entbündeltes Zugangsprodukt (VULA) anbieten, das technisch der entbündelten TAL sehr ähnle. Jochen Homann, Präsident der BNA, sagt dazu, dass die Konkurrenz dadurch die Möglichkeit bekomme, selbst den Breitbandausbau voranzutreiben. Außerdem beinhalte der Entwurf Regeln für den finanziellen Ausgleich der anderen Provider durch die Telekom. Schließlich hat der Bonner Telekommunikationskonzern auch ein konkretes Angebot vorgelegt. Demnach haben sie sich einseitig dazu verpflichtet, bis 2018 bundesweit alle Nahbereiche auszubauen. Dadurch sehe der BNA den Ausbau von Breitbandanschlüssen mit 50 Mbit/s gefördert.

 

Können Kunden davon profitieren?

Ginge es nach Homann von der BNA, profitieren die Verbraucher auf lange Sicht davon, da der Ausbau der Leitungen durch Vectoring begünstigt werde. Wie sich die Preise entwickeln, ist bis dato hingegen noch nicht abzuschätzen. Scharfe Kritik kommt jedoch vom VATM, der in dieser Technik langfristig keine Lösung sieht: Hierbei werden immer noch die alten Kupferkabel verwendet, weswegen für den Ausbau des Glasfasernetzes eigentlich kein Grund bestehe. Zumal das Verlegen von Glasfaserleitungen deutlich höhe Ausgaben erfordert ist als Vectoring. Zukunftssicher sehe nach Ansicht des Verbands anders aus.

 

Problematisch ist außerdem: Für die Anbindung von weiteren Haushalten mittels der DSL-Technologie müssen die VDSL-Anschlüsse der Wettbewerber teilweise gekappt werden. Bisherigen Informationen zufolge könnten schon bald 135.000 Anschlüsse davon betroffen sein. Ziel der Telekom ist es aber, insgesamt 5,9 Millionen Haushalte anzubinden. Ob und wie viele weitere bestehende Anschlüsse dafür gekappt werden müssen, kann bisher nicht genau gesagt werden. Für die Konkurrenten besteht jedoch die Chance, auf ein Vorleistungsprodukt in den von der Telekom betriebenen Netzen zurückzugreifen. Dazu müssten sie aber die Leitungen des Bonner Konzerns mieten – Kosten, die gern an die Kunden weitergegeben werden.

 

Was ist Vectoring?

DSL-Vectoring ist seit einigen Jahren in der Diskussion und nicht unumstritten. Bei dieser Technik kann die Geschwindigkeit theoretisch auf bis zu 100 Mbit/s gesteigert werden – und das auf Entfernungen von bis zu 500 m zum grauen Kasten am Straßenrand. Möglich ist das dadurch, dass das Übersprechen der am Hauptverteiler anliegenden Leitungen verringert wird und zwar durch die Bündelung der Kabeladern. Das heißt, die Leitungen stören sich nicht mehr gegenseitig und die Datenübermittlung geht schneller. Das setzt jedoch die vollständige Kontrolle an der TAL voraus ­– mit anderen Worten: Nur ein Anbieter kann Zugriff auf den Verteiler und die Leitungen haben, womit die anderen ausgeschlossen sind. Das ist ein Kernproblem bei der Debatte um DSL-Vecotring.

 

Das zweite Kernproblem ist die Zukunftsfähigkeit der Technik. Vor allem der VATM sieht diese nur als Brückentechnologie zum Glaserfasernetz (FTTH – Fibre To The Home). Doch während dieses erst kostenintensiv ausgebaut werden müsste, sind für Vectoring „nur“ Umrüstungen am Hauptverteiler (DSLAM) notwendig. Diese Investitionen fallen aber geringer aus als beim Glasfaserausbau, was die anscheinende Begeisterung für Vectoring bei manchen Telekommunikationsunternehmen erklärt. Ungeachtet dessen führt aber kein Weg an FTTH vorbei, denn der Kabelanschluss leistet bereits heute mit seinen 200 Mbit/s doppelt soviel und hier ist das Potential noch nicht ausgeschöpft.

 

Mit Material von dpa, Golem.de, Bundesnetzagentur

Bild © jochenL.E. – Fotolia.com

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