Sonntagsfrage: Ist die Zigarettenpause versichert?

Versicherung Arbeitsunfälle: Info

Nicht alle Unfälle, die auf der Arbeit geschehen, sind von der gesetzlichen Unfallversicherung abgedeckt.

Arbeitsunfälle passieren in Deutschland täglich. Jedes Jahr werden etwa 900.000 davon bei den Berufsgenossenschaften gemeldet. Hinzu kommen Unfälle von Selbstständigen, die statistisch nicht erfasst werden, sowie Unfälle, die aufgrund ihrer geringen Schwere nicht gemeldet werden. Immer wieder finden Arbeitsunfälle nicht direkt am Arbeitsplatz statt. Auch die Wege zur Arbeit, in die Kantine, zur Toilette oder zur Raucherpause stellen ein Unfallrisiko dar. Dass der Weg zur Arbeit versichert ist, ist hinlänglich bekannt. Aber ist auch die Zigarettenpause versichert? Welche Leistungen umfasst die gesetzliche Unfallversicherung?

 

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Die gesetzliche Unfallversicherung zahlt bei Arbeitsunfällen

Durch die gesetzliche Unfallversicherung werden Arbeitsunfälle für Arbeitnehmer abgesichert. Erleiden sie während ihrer beruflichen Tätigkeit einen Unfall, trägt die Unfallversicherung die Kosten für die Behandlung des Unfallopfers. Der Arbeitsunfall muss dabei jedoch durch die berufliche Tätigkeit verursacht werden. Stolpert ein Dachdecker bei der Arbeit und fällt vom Dach, ist dies ein Arbeitsunfall. Erleidet er jedoch auf dem Dach einen Herzinfarkt, steht dies nicht im direkten Zusammenhang zu seinem Beruf, sodass die Berufsgenossenschaft die Kosten hierfür in der Regel nicht übernimmt.

 

Unfall und Berufserkrankung sind unterschiedlich zu beurteilen

Zudem muss für einen Arbeitsunfall wirklich ein Unfall vorliegen, also ein zeitlich begrenztes Ereignis, welches zu einem Gesundheitsschaden oder zum Tod führt. Wird ein Lagerarbeiter von einem Gabelstapler angefahren, ist dies ein Unfall. Erleidet jedoch ein Angestellter am Fließband einen Bandscheibenvorfall, weil er tagtäglich in gebeugter Haltung arbeitet, ist dies kein Unfall. In einem solchen Fall kann jedoch im Einzelfall geprüft werden, ob es sich um eine Berufserkrankung handelt. Auch diese sind in der gesetzlichen Unfallversicherung abgesichert.

 

Auch Wegeunfälle sind versichert

Der Versicherungsschutz der Unfallversicherung beginnt nicht erst mit dem Arbeitsbeginn. Wer auf dem direkten Weg zur Arbeit einen sogenannten Wegeunfall erleidet, ist ebenfalls geschützt. Gleiches gilt für den Heimweg. Entscheidend ist hier allerdings, dass keine privaten Umwege gemacht werden. Auch hier muss bei einem Unfall der Einzelfall geprüft werden, weil nicht jeder Umweg tatsächlich eine Unterbrechung des Arbeitsweges darstellt. So sind beispielsweise Umwege im Rahmen einer Fahrgemeinschaft mitversichert, weil sie in kausalem Zusammenhang zur beruflichen Tätigkeit stehen.

 

Versichert ist, was der Aufrechterhaltung der Arbeitskraft dient

Doch auch während der Arbeitszeit ist nicht jeder Unfall automatisch als Arbeitsunfall zu werten. Ausnahmen bestehen beispielsweise dann, wenn fahrlässig die Arbeitstauglichkeit beeinträchtigt wird, etwa durch Alkoholkonsum. Arbeitspausen sind hingegen grundsätzlich abgesichert. Da Essen, Trinken und ein Toilettengang Notwendigkeiten sind, die dazu beitragen, dass die Arbeitsfähigkeit erhalten bleibt, sind auch diese Zeiten üblicherweise versichert. Gleiches gilt für Wege in die Kantine und zurück.

 

Ist die Zigarettenpause versichert?

Eine Ausnahme sind Zigarettenpausen. Diese haben keinen Bezug zur beruflichen Tätigkeit und sind Privatsache des Angestellten. Entsprechend sind Unfälle während einer Zigarettenpause auch nicht abgesichert. Geklagt hatte im Jahr 2012 eine Pflegehelferin eines Seniorenheims. Auf dem Rückweg aus der Zigarettenpause stieß sie mit dem Hausmeister zusammen. Dieser verschüttete bei dem Zusammenstoß einen Eimer Wasser. Auf dem nun rutschigen Boden glitt die Raucherin aus und brach sich den Arm. Die Berufsgenossenschaft erkannte diesen Vorfall nicht als Arbeitsunfall an, wogegen die Pflegehelferin vor Gericht Einspruch erhob.

 

Für Raucher ein Dilemma – Raucherpausen sind Privatsache

Die Raucherin argumentierte, dass sie denselben Weg mehrmals am Tag im Rahmen ihrer Berufsausübung entlangläuft. Ob sich der Unfall nun auf dem Rückweg von einer Zigarettenpause oder während eines expliziten Arbeitswegs ereignet hat, sei für die Beurteilung ihres Schadens unerheblich. Das Sozialgericht Berlin bestärkte jedoch die Berufsgenossenschaft in ihrer Haltung und wies die Klage ebenfalls ab. Der Weg zur Raucherpause und zurück hat nichts mit der beruflichen Tätigkeit zu tun und ist daher nicht geschützt.

 

Nichtraucherschutz auch im beruflichen Umfeld

In den letzten Jahren ist die Zahl der Raucher in Deutschland rückläufig. Trotzdem greift immer noch etwa ein Viertel aller Deutschen regelmäßig zur Zigarette. Auch im Berufsleben führt dies immer wieder zu Problemen. Denn häufig legen Raucher auch während der Arbeitszeit neben den regulären Pausen immer wieder Raucherpausen ein, um ihrer Sucht nachzugehen. Die Nichtraucher haben hier das Nachsehen. Grund genug für viele Betriebe, Raucherpausen gänzlich zu verbieten. Unternehmerverbände kritisieren, dass Raucherpausen außerhalb der festen Pausenzeiten teuer und ineffizient sind. Raucher unterbrechen ihre Arbeit und benötigen oft nach der Pause noch Zeit, sich wieder in ihre Arbeit einzufinden. Der Arbeitsablauf wird dadurch gestört. Zudem müssen je nach Arbeitsplatz in der Zeit andere Personen die Aufgaben des Rauchers übernehmen.

 

Fristlose Kündigung wegen Raucherpausen während der Arbeit

Ist das Rauchen während der Arbeitszeit generell verboten, müssen sich Raucher daran halten. Wer trotzdem raucht, kann fristlos gekündigt werden. Dies entschied das Landesarbeitsgericht Mainz im Jahr 2010. Einem Raucher wurde fristlos gekündigt, nachdem er jahrelang Raucherpausen gemacht hatte, ohne sich auszustempeln. Dadurch wurden seine Raucherpausen als Arbeitszeit erfasst und entsprechend vergütet. Vorab wurde er von seinem Arbeitgeber mehrfach abgemahnt. Eine vorherige Abmahnung ist die Voraussetzung für die fristlose Kündigung wegen Rauchens in der Arbeitszeit. Raucher sollten mit ihrem Arbeitgeber vorab ausmachen, ob Raucherpausen gestattet sind oder nicht. Sinnvoll ist es, dies schriftlich zu fixieren. Auch sollte vor Arbeitsbeginn geklärt werden, ob für Raucherpausen ein Ausstempeln notwendig ist. In Rücksprache mit dem Betriebsrat kann für den ganzen Betrieb eine allgemeingültige Regelung für Raucherpausen festgelegt werden. Doch auch wenn der Arbeitgeber Raucherpausen grundsätzlich gestattet, verliert der rauchende Arbeitnehmer in dieser Zeit seinen Versicherungsschutz bei Arbeitsunfällen.

 

Mit Material von handwerksblatt.de, derwesten.de, welt.de

Bild © Luftbildfotograf – Fotolia.com

 

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