Keyless-Go-System: Zahlt die Kasko beim Diebstahl?

Keyless-Go-System: Zahlt die Kasko bei Diebstahl?

Das Keyless-Go-System verspricht mehr Komfort und Sicherheit für den Fahrer, ist aber leichter zu knacken als der klassische Schlüssel mit Knopf.

Mehr und mehr hält moderne Technik Einzug in die Autobranche. Während viel davon für den Kunden eher unsichtbar ist und im Hintergrund werkelt, soll das Keyless-Go-System für den Fahrzeughalter ein Stück weit mehr Komfort bedeuten. Das Prinzip ist einfach: Befindet sich der Fahrer in der Nähe seines Wagens, wird ein Funksignal gesendet, das die Türen entriegelt und die sich so öffnen lassen. In einem Test des ADAC hat dieser aber herausgefunden, dass dieses System von versierten Autodieben leicht geknackt werden kann. Daher stellt sich die Frage: Zahlt die Kaskoversicherung in diesem Falle des Diebstahls?

 

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20 Modelle im Test

Im Test des ADAC wurden insgesamt 20 Modelle getestet. Das Ergebnis fiel dabei durchweg ernüchternd aus. Denn alle Keyless-Go-Systeme ließen sich deutlich schneller umgehen als die klassische Technik mit konventionellem Funkschlüssel. Die Vorgehensweise ist simpel: Mittels eines (selbstgebauten) Funksignalverstärkers wird das Signal des Autoschlüssels verlängert. So muss der Schlüssel nicht mindestens zwei bis drei Meter in der Nähe des Autos sein, sondern kann mehrere Hundert Meter entfernt liegen. Das Video des Automobilclubs veranschaulicht diesen Vorgang.

Dieser Trick setzt aber voraus, dass sich der Schlüssel ganz in der Nähe des Verstärkers befindet ­– sonst hat der Verstärker kein Signal, das er verlängern kann. Zu Beginn des Videos erkennt man, dass einer der Diebe an der Hauswand steht und einen schwarzen Kasten hält. Daraufhin lässt sich die Autotür ohne Schwierigkeiten öffnen. Das würde bedeuten, der Autoschlüssel hätte sich in unmittelbarer Nähe befunden. Insofern hätte es bereits geholfen, den Schlüssel an einem anderen Ort im Haus zu deponieren.

 

Zahlt die Kaskoversicherung?

Die gute Nachricht für alle Autofahrer ist, die Kaskoversicherung zahlt in der Regel immer. Es spielt meist keine Rolle, wie schnell oder mit welcher Methode sich Zugang zum Fahrzeug verschafft wurde. Nur wenn grobe Fahrlässigkeit vorliegt, kann der Versicherer unter Umständen eine Zahlung im Schadenfall verweigern. Viele Kfz-Versicherer verzichten jedoch auf einen Nachweis der groben Fahrlässigkeit und schreiben daher in ihren AGB: „Wir verzichten auf den Einwand der grob fahr­lässigen Herbeiführung des Schadens.“ Für den im Video gezeigten Fall bedeutet das: Eine grobe Fahrlässigkeit kann nicht nachgewiesen werden, da der Fahrzeughalter den Schlüssel besten Wissens entsprechend sicher verwahrt hat.

 

ADAC fordert Nachbesserung beim Keyless-Go-System

Angesichts der Ergebnisse hat der ADAC eine Nachbesserung dieser Technik gefordert. Unabhängig von Hersteller und Wert des Wagens konnte keins der Modelle den Test des Automobilclubs bestehen. Daher werde eine komplette Absicherung der Fahrzeugelektronik gefordert, wie es in anderen Bereichen längst Standard sei. Der Schlüssel könne zwar auch in Aluminiumfolie eingewickelt werden, doch rate der ADAC davon ab. Zumal dies auch für den Fahrzeughalter weniger Komfort bedeutet, da er den Schlüssel jedes Mal aus der Alufolie entfernen und wieder einwickeln muss, stellt er das Fahrzeug ab.

 

Neue Masche für Versicherungsbetrug?

Der ADAC weist darauf hin, dass der Kfz-Halter durch das System zum zweiten Mal zum Opfer werden kann: Ist der Tank leer oder würgt der Dieb den Motor ab, kann er das Auto nicht mehr starten. Findet die Polizei das Fahrzeug, entdeckt aber keine Einbruchsspuren, kann der Verdacht des Versicherungsbetruges aufkommen. Der Halter könne den Diebstahl demnach nur vorgetäuscht haben. Im schlimmsten Fall kann dieses Szenario aber tatsächlich zum systematischen Versicherungsbetrug missbraucht werden. Sollten sich derartige Fälle häufen, müssten die Versicherungen umdenken und ihre Tarife anpassen.

 

Mit Material von ADAC

Bild © lbtn – Fotolia.com

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