Lebensversicherung: Garantiezins unter Druck

Lebensversicherung

Lebensversicherung bietet Schutz für den Versicherten und die Familie

Einschnitte bei der Lebensversicherung: Die Überschussbeteiligungen sind schon vielfach gesunken, bald könnten vom Staat die Garantiezinsen für neue Verträge gekappt werden. Die Versicherer wehren sich: Sie sehen ihre Kunden davonlaufen.

Die Lebensversicherer haben zu Weihnachten nichts zu verschenken. Ein Anbieter nach dem anderen senkte zuletzt die Überschussbeteiligung, angefangen vom europäischen Marktführer Allianz bis zur Zurich Versicherung. Schließlich werfen die Kapitalmärkte in Zeiten niedriger Zinsen wenig ab. Und an der garantierten Verzinsung neuer Verträge sägt nun die Politik: Das Bundesfinanzministerium erwägt, die Garantieverzinsung für künftige Verträge deutlich um einen halben Prozentpunkt zu senken.

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Die Suche nach Kunden dürfte dann für die Branche deutlich schwieriger werden. Der Vorstoß aus dem Bundesfinanzministerium kommt den Versicherern deshalb mehr als ungelegen. Hintergrund für den möglichen Schritt des Ministeriums: Lebensversicherungen sollen in Zeiten schwankender Kapitalmärkte sicher bleiben und auch halten, was sie den Kunden als garantiert versprechen.

Konkret prüft das Haus von Minister Wolfgang Schäuble (CDU), die Garantieverzinsung für klassische Lebensversicherungen ab dem 1. Juli von 2,25 Prozent auf 1,75 Prozent zu senken. Auf den ersten Blick würde das den Versicherern helfen, weil sie auf künftige Lebensversicherungsverträge zum Laufzeitende weniger auszahlen müssten. Doch stellt sich die Frage, wie viele Kunden dann überhaupt noch einen solchen Vertrag abschließen würden. Schließlich soll eine Lebensversicherung möglichst über Jahrzehnte laufen – und in der Regel muss der Kunde mit seinem Beiträgen auch noch eine vierstellige Provision für den Vermittler abtragen.

Kein Wunder, dass die Versicherer den Angriff auf die Garantieverzinsung zurückweisen. «Sozialpolitisch gewünschte Garantieprodukte würden für die Kunden unnötig unattraktiver gemacht», fürchtet der Branchenverband GDV. Dabei werde es auch bleiben, «wenn sich ein Zinsrückgang als vorübergehende Erscheinung herausstellt». Dabei habe ein Szenario der Finanzaufsicht Bafin Ende 2009 gezeigt, dass alle Unternehmen der Branche ihre Garantieversprechen selbst bei einer längeren Phase niedriger Zinsen durchhalten könnten.

Während der Finanzkrise hatten die Versicherer von ihrer starken Kapitalbasis und ihrer konservativen Anlagepolitik profitiert. Viele Unternehmen fuhren ihren Aktienanteil an den Kapitalanlagen bis auf ein paar wenige Prozent herunter, um sich unabhängiger von der Börsenentwicklung zu machen. Den Vorwurf, dass sie dadurch auch vom jüngsten Aufwärtstrends an den Börsen weniger profitieren konnten, will die Branche nicht gelten lassen. Oberstes Prinzip müsse die Sicherheit sein, sagt eine GDV-Sprecherin. Außerdem könnten die Versicherer ihre Kapitalanlagen nicht nach Lust und Laune mischen, sondern seien an feste Vorgaben gebunden.

Im Geschäft mit Lebensversicherungen hat die Branche einiges zu verlieren. So erlebte der Marktführer Allianz in diesem Jahr ein nie dagewesenes Wachstum in der Sparte, wie Konzernchef Michael Diekmann zufrieden in einem Interview sagte.

Doch das Klima dürfte rauer werden, wenn die Renditen weiter auf Talfahrt gehen. Die klassische Lebensversicherung dürfte aufgrund des niedrigen Zinsumfeldes und neuer Kapitalanforderungen «in der Versenkung verschwinden», sagt Versicherungsanalyst Christian Muschick vom Finanzdienstleister Silvia Quandt Research. Das Produkt werde für die Unternehmen schlicht zu teuer, weil sie mehr Kapital bereithalten müssten. Für die Kunden schwinde der Anreiz – besonders wenn das Ministerium jetzt an den Garantien herumschraube: «Die Garantieverzinsung ist bislang eines der wichtigsten Vertriebsargumente für die Versicherer bei den klassischen Kapitallebensversicherungen», sagt Muschick.

Bei den Kunden dürfte das Argument deshalb immer weniger ziehen. Für die älteren Lebensversicherungen im Vertragsbestand der Unternehmen liegt die durchschnittliche Garantieverzinsung nach aktuellen Schätzungen der Ratingagentur Assekurata zum Jahreswechsel bei 3,29 Prozent – fast doppelt so hoch, wie das Ministerium laut dem Entwurf für künftige Verträge vorsieht. Die Versicherer müssen diese Renditen für die Altverträge weiterhin bezahlen – auch wenn das allgemeine Zinsniveau auf Dauer im Keller bleibt und sie die Zinsen selbst an den Kapitalmärkten kaum noch erwirtschaften können.

Viele Versicherer haben bereits vor Jahren reagiert. Die Allianz und andere Anbieter profitierten in der Lebensversicherung zuletzt stark vom Geschäft mit Einmalbeiträgen. Als Alternative zu den derzeit mau verzinsten Bank-Sparprodukten standen sie bei Versicherungskunden hoch im Kurs. Analyst Muschick sieht zudem den Trend zu fondsgebundenen Lebensversicherungen ungebrochen. Bei diesen Verträgen bleiben die Gewinnchancen, aber auch die Risiken beim Kunden hängen. Angesichts des niedrigen Zinsniveaus sind die Versicherer dabei fein raus: Für traumhafte Garantiezinsen von anno dazumal müssen sie bei diesen Produkten nicht geradestehen. (dpa/dt)

Bild: © ArTo – Fotolia.com

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