Nach Umstellung auf IP-Telefonie: Störungen seltener als befürchtet

IP-Telefonie Störung: Info

Was bringt die Umstellung auf IP-Telefonie? Störungen treten seltener auf als befürchtet.

Die Telekom stellt seit Jahren auf die neue Übertragungstechnik Voice over IP (VoIP) um, bei der Telefonate nicht mehr über die analoge Festnetzleitung laufen, sondern über das Internet. Der Vorteil für die Telekom besteht vor allem in der Kostenersparnis. Und auch die Kunden dürfen sich über frei werdende Kapazitäten und schnelleres Internet freuen. Doch in letzter Zeit sind immer mehr Rufe laut geworden, dass die Qualität der Internettelefonie zu wünschen übrig lasse. Das Magazin FOCUS ONLINE hat nun eine repräsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov mit Kundenmeinungen veröffentlicht. Was sagen die Verbraucher zu IP-Telefonie, Störungen, die dabei auftreten, sowie anderen Veränderungen?

 

  • Jetzt DSL-Anbieter vergleichen
    und sparen!


 

Die Angst vor Veränderungen des geliebten Telefonanschlusses

Einige Befragte befürchten offenbar, dass mit der von der Telekom vorangetriebenen Umstellung auf VoIP bzw. IP-Telefonie Qualitätseinbußen einhergehen. Störungen bei der Internettelefonie oder Einbußen in der Sprachqualität treten tatsächlich auf. Grund hierfür können Funktionseinschränkungen der Internetverbindung sein – dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn Server ausfallen. Genau dies ist vor einiger Zeit passiert, sodass bundesweit internetbasierte Telefonate über einen längeren Zeitraum nicht mehr möglich waren. Die Sorge scheint für viele also berechtigt zu ein, doch was sagen die Zahlen?

 

Die meisten Befragten merken bei der IP-Technologie keine Störungen

Etwa ein Drittel der Deutschen nutzt mittlerweile die VoIP-Technik, um mit Familie, Freunden oder Geschäftspartnern zu telefonieren. An drei Tagen im November 2015 hat YouGov insgesamt 2.021 Personen gefragt, ob durch Umstellung auf IP-Telefonie Änderungen aufgetreten sind und welcher Art diese gewesen sind. Das Ergebnis der repräsentativen Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte (55 Prozent) keine bzw. kaum Veränderungen spürt.

 

Etwa ein Viertel klagt über Ausfälle seit Umstellung auf IP-Technologie

23 Prozent der Teilnehmer der Umfrage gaben an, dass sie nach der Umstellung auf IP-Telefonie Störungen und Ausfälle bemerkten. Zählt man noch die 13 Prozent hinzu, die eine Verschlechterung der Sprachqualität empfinden, ergibt dies einen Anteil von mehr als einem Drittel, nach dessen Ansicht die IP-Technologie mit Störungen verbunden ist. Elf Prozent der Befragten fühlen sich zudem schlecht vom Anbieter über die neue Technik informiert.

 

Wie funktioniert Internettelefonie bzw. VoIP?

Klassischerweise wird bei der Analog- und IDSN-Technik ein breites Frequenzspektrum der Kupferdoppeladern belegt. Schaltet man diese ab, werden Kapazitäten für DSL-Signale frei. Sowohl Reichweite als auch Geschwindigkeit werden dadurch gesteigert. Dies ist möglich, weil der Telekommunikationsanbieter kein dezentrales Netz an Vermittlungsstellen betreiben muss, sondern sich mit der Bündelung an einigen wenigen Stellen begnügen kann. Das ist nicht nur für das Unternehmen kostengünstiger, auch der Kunde profitiert davon. Denn nunmehr können die DSL-Gegenstellen von der Vermittlungsstelle in den Straßenrand verlegt werden. Besser bekannt ist diese Methode unter dem Namen VDSL: Damit sind sehr viel höhere Download- und Uploadraten möglich, ebenso die gleichzeitige Verwendung von DSL für Internet, Telefonie und andere Medien, wie zum Beispiel Fernsehen und Radio.

 

So baut die Telekom die IP-Technologie immer weiter aus

Laut der IT-Seite golem.de treibt die Telekom den Ausbau von Vectoring massiv voran. Mit dieser Technik ist eine Verbesserung der Internetverbindung VDSL möglich. Grundlage hierfür ist der Ausbau von Glasfaserleitungen, die die alten Kupferleitungen ersetzen und eine Verbindung von dezentralen Vermittlungsstellen mit den Verteilerkästen ermöglichen. Die Quelle, die Datenpakete verschickt, liegt dann näher am zu versorgenden Haushalt. Zwar ist VoIP auch über eine Kupferleitung realisierbar, doch kann es dabei zu Störungen zwischen den Leitungen kommen. Durch Vectoring sollen diese Störungen ausgeglichen werden. Der Chef der Telekom Deutschland, Niek Jan van Damme, gab bekannt, dass im Jahr 2015 rund 4,6 Millionen Haushalte Vectoring-fähig gemacht worden seien.

 

Fertigstellung von Ausbau und Umstellung auf IP-Technologie bis Ende 2018

Die Telekom möchte bis Ende 2018 die IP-Telefonie überall durchgesetzt haben. Diejenigen, die nur Telefonie verwenden, werden von der Umstellung – wenn keine ernsthafte IP-Telefonie-Störung auftritt – nichts mitbekommen, außer dass einige alte Telefongeräte nicht kompatibel sind. Wer im Internet unterwegs ist, benötigt unter Umständen einen neuen Router, der die Technik unterstützt. Dieser wird nicht mehr an den Splitter, sondern direkt an die Buchse angeschlossen. Ein kleiner Vorteil ist, dass weniger Kabelsalat entsteht. Deutlichere Vorteile sind schnellere Übertragungsraten, sollte der technische Ausbau reibungslos gelingen. Auch die Nutzung mehrerer Rufnummern, die Rufnummernanzeige und die Möglichkeit, unerwünschte Anrufer zu blockieren, sind möglich. Selbstverständlich profitieren nicht nur Kunden der Telekom von der IP-Telefonie, denn Mitbewerber wie O2, Vodafone und Co. können Anschluss-Leitungen der Telekom mieten und sparen sich dadurch die Arbeit an der Umrüstung dezentraler Vermittlungsstellen.

 

Mit Material von focus.de, golem.de

Bild © il-fede – Fotolia.com

keine weiteren Kommentare mglich.