
Auch dem Rettungsschirm droht der Verlust der Topbonität.
Die Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) hat gleich neun Eurostaaten herabgestuft – Frankreich und Österreich wurde die Bestnote „AAA“ entzogen. Weiterhin erhielten Spanien, Italien, Portugal, Slowenien, die Slowakei, Malta und Zypern eine schlechtere Note für ihre Kreditwürdigkeit. Deutschland behält weiterhin die Bestnote. Da gleich zwei Eurostaaten das Spitzen-Rating verloren haben und der europäische Rettungsfonds EFSF somit nur noch von vier Ländern mit Bestnote gestützt wird, befürchten Experten auch eine Herabstufung für den Rettungsschirm.
Nur noch vier Eurostaaten mit AAA-Rating
Tom Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, äußerte gegenüber der Bild am Sonntag, dass auch der EFSF sein Top-Rating verlieren dürfte. Schließlich seien es von den 17 am Rettungsfonds beteiligten Ländern nur noch Deutschland, Luxemburg, die Niederlande und Finnland, die die Bestnote für ihre Kreditwürdigkeit besitzen. Deutschland könnten durch die neue Situation höhere Beiträge für den EFSF drohen. Mark Rotte, niederländischer Ministerpräsident, sieht die Niederlande und Deutschland vor die Frage gestellt, wie man mit dem Rettungsfonds in Anbetracht der Herabstufung der Eurostaaten umgehe. S&P habe bereits mit der Entzug der Bestnote für den EFSF gedroht, sofern die top-bewerteten Staaten wie Deutschland nicht mehr einstehen würden, so Moritz Kraemer von Standard & Poor’s.
Uneinigkeit unter den Politikern
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht hingegen keine zusätzlichen Kosten für Deutschland angesichts des neuen Ratings. Sie fürchte keine Folgen und keinen weiteren Handlungsbedarf. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält den derzeitigen Garantierahmen des Euro-Rettungsschirms für ausreichend: Deutschland trägt von den tatsächlich zur Verfügung stehenden 440 Milliarden Euro allein 221 Milliarden Euro. Frank Schäffler, Finanzexperte der FDP, ist jedoch anderer Auffassung. Er sieht ein deutlich höheres Haftungsrisiko für Deutschland seit der Herabstufung von neun Euroländern. Gegenüber dem Handelsblatt erklärt er, dass der deutsche Beitrag von etwa 40 auf nahezu 75 Prozent steigen werde. Er hält den bisherigen deutschen Garantierahmen von 211 Milliarden Euro nicht für ausreichend.
Alternativen zum EFSF gesucht
Finanzexperte Jean-Claude Juncker ermahnt die Länder der Eurozone, nach neuen Maßnahmen zum Erhalt des Top-Ratings für den EFSF zu suchen, da eine schlechtere Bonitätsnote für den Funktionsverlust als Krisenfinancier sorgen könnte. EU-Währungskommissar Olli Rehn rät den Eurostaaten wiederum zur Schaffung eines neuen Fonds, der eigenes Kapital verwalte und somit unabhängiger vom Rating der anderen Mitgliedsländer sei.
Mit Material von RP-Online, dpa, n-tv.de, Zeit.de
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