Telematik-Tarife: Segen oder Fluch für den Autofahrer?

Telematik-Tarife zum Vorteil für den Autofahrer?

Die ersten Telematik-Tarife kommen 2016 von der Allianz und der HUK Coburg auf den Markt und richten sich eher an Fahreinsteiger.

Die Digitalisierung nimmt mehr und mehr Fahrt auf. Heutzutage gibt es kaum noch Bereiche, in denen das Smartphone nicht von Bedeutung ist oder in denen kein Computer – sei er noch so klein – genutzt werden kann. Dass nicht nur Verbraucher von dieser Entwicklung profitieren, sondern sich ebenso Unternehmen die moderne Technik zu Nutze machen, liegt auf der Hand. Ein Beispiel dafür sind die Kfz-Versicherer, von denen die beiden größten – die Allianz und die HUK Coburg – noch in diesem Jahr sogenannte Telematik-Tarife anbieten wollen. Ganz unumstritten ist diese Idee nicht, wenngleich sie vor allem für junge Fahrer Vorteile bietet.

 

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Günstigere Prämie für junge Fahrer

Wer seinen Führerschein erst seit Kurzem besitzt und sein eigenes Auto versichern will, kann je nach Region und Fahrzeugtyp mit einigen Hundert Euro Kfz-Versicherungskosten im Jahr rechnen. Der Grund: Statistisch gesehen sind gerade Fahranfänger in die meisten Unfälle involviert, was sich im erhöhten Beitrag widerspiegelt. Genau an diesem Punkt setzen die Telematik-Tarife an. Erklären sich die Fahreinsteiger bereit, ihr Fahrverhalten überwachen zu lassen, kann dies eine geringe Prämie bedeuten. Die Versicherer erhoffen sich davon, dass die Fahranfänger dadurch vorausschauend fahren und weniger rasen.

 

Was wird für solche Tarife benötigt? Ähnlich wie im Flugzeug wird im Auto eine kleine Box installiert, die das Fahrverhalten aufzeichnet. Dabei wird registriert, wie stark Gas gegeben und gebremst wird oder mit welcher Geschwindigkeit in die Kurve gegangen wird. Daraus wird ein Punktestand ermittelt, der Aufschluss über das Fahrverhalten gibt. Je höher dieser ist, desto sicherer ist der Fahrer unterwegs und desto geringer ist die Prämie. Alternativ nutzen Unternehmen wie Axa bei ihrem DriveCheck eine App, über die die Daten aufgezeichnet werden. Dafür winkt dann ein Rabatt von bis zu 15 Prozent.

 

Vorteile bei Unfällen und Diebstahl

Ein weiter Vorteil: Bei manchen Telematik-Tarifen werden bei einem Unfall auch Standortkoordinaten übermittelt, was zu einer schnelleren Versorgung möglicher Unfallopfer durch die Rettungskräfte führen kann. Aber auch im Falle eines Diebstahls kann das Auto durch die Box im Auto geortet werden. Das setzt aber voraus, dass die Box so eingebaut ist, dass sie nicht allzu einfach von den Dieben ausgebaut werden kann. Gleichzeitig müsste sie auch möglichen Angriffen auf die Software standhalten. Andernfalls könnten findige Kriminelle die Software austricksen und das Senden von Informationen deaktivieren.

 

Die Versicherung S-Direkt hat vor einiger Zeit während ihrer Testphase eine Kampagne gestartet. Hierbei wurde der monatliche Score der Versicherten ausgewertet und ein Ranking gebildet. Der Sieger aus diesem Ranking erhielt daraufhin als Belohnung den Versicherungsschutz für drei Monate geschenkt. Ob derartige Aktionen die Akzeptanz von Telematik-Tarifen erhöhen, kann nicht genau beantwortet werden. Fest steht jedoch, dass fast ein Drittel der Autofahrer offen für solche Tarife ist.

 

Überwiegen die Nachteile?

Eine mögliche Schwachstelle der Telematik-Tarife sind steigende Prämien für diejenigen, die keinen neuen Tarif abschließen. Das könnte unter Umständen der Fall sein, würden sich diese Fahrzeughalter weigern, die schwarze Box in ihrem Auto zu installieren. Das würde den Eindruck erwecken, sie hätten etwas zu verbergen – so die Kritiker. Damit wären Nachteile für „Verweigerer“ verbunden, die ihre Daten nicht preisgeben wollen.

 

Hinsichtlich der Datensicherheit gibt es ebenfalls Bedenken. Die kabellose Datenübertragung würde Hackern und Kriminellen die Chance bieten, die aufgezeichneten Daten abzufangen und zu missbrauchen. Zumal: Anders als in Großbritannien oder den USA haben deutsche Bürger größere datenschutzrechtliche Vorbehalte. Das mag einer der Gründe sein, warum diese neuartigen Tarife in Deutschland bisher kaum von den Versicherern angeboten werden.

 

Alternative: ­Kfz-Versicherung wechseln?

Bevor Verbraucher solch einen neuen Tarif abschließen, sollten sie vorher ausrechnen, ob sie dadurch wirklich sparen. Denn es kann durchaus sein, dass der Wechsel der Kfz-Versicherung die größere Ersparnis bringt. So lassen sich mehrere Hunderte Euro im Jahr sparen und es ist nicht notwendig, sein Fahrverhalten überwachen zu lassen.

 

Mit Material von Versicherungsbote

Bild © zamphotography – Fotolia.com

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