Sinkt die Verzinsung der Lebensversicherung weiter?

Sinkt die Verzinsung der Lebensversicherung 2016 weiter?

Das europäische Regelwerk Solvency II tritt in Kraft und könnte sich abermals auf die Verzinsung der Lebensversicherung auswirken.

2016 kommen auf die Versicherer Änderungen zu, die nicht ohne Folgen bleiben: Ab Januar nächsten Jahres treten neue Richtlinien in Kraft – das europäische Regelwerk Solvency II –, die das Krisenmanagement der Versicherungen regulieren. Demnach müssen die Unternehmen über ausreichend Kapital verfügen, um selbst finanzielle Engpässe wie Turbulenzen am Finanz- und Aktienmarkt oder größere Naturkatastrophen verkraften zu können. Aus diesem Grund vermuten Experten, dass die Verzinsung der Lebensversicherung zu Ungunsten der Kunden weiter sinken wird.

 

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Auswirkungen für den Verbraucher

1. Mehr Schutz für die Versicherten
Der Plan der Europäischen Union, die Kunden vor Pleiten der Versicherer zu schützen, klingt plausibel. Doch fürchten manche Experten, dass vor allem der Garantiezins der Lebensversicherung darunter leiden wird. Axel Kleinlein, Vorstandssprecher beim Bund der Versicherten, meint dahingehend, dass Solvency II und die damit verbundene Erhöhung der Eigenmittelanforderung nur als Vorwand diene, um die Überschüsse weiter zu kürzen.

 

Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband relativiert dieses Bild. Seiner Ansicht nach könne keine pauschale Aussage getroffen werden. Vielmehr hänge es von der individuellen wirtschaftlichen Lage des Versicherungsunternehmens ab, ob es die gutgeschriebenen Überschüsse weiter reduziere. Eines ist jedoch klar: Insbesondere Versicherungen mit hohem Anteil klassischer Verträge und entsprechend hohem Garantiezins werden Probleme bekommen.

 

2. Geringe Vergleichbarkeit der Leistungen
Assekurata-Experte Lars Heermann kritisiert außerdem, dass sich aktuell die verschiedensten Produkte auf dem Markt befinden, was Tür und Tor für vielerlei Wildwuchs öffne. Demnach gebe es Policen ohne oder nur mit verringerten Garantien, was für den Kunden die Vergleichbarkeit erschwere. Auch Bezeichnungen wie „Neue Klassik“ bedeuten nicht automatisch einen Höchstrechnungszins (Garantiezins) wie bei alten Verträgen.

 

3. Mehr Transparenz
Solvency II schreibt ferner vor, dass die Versicherungsunternehmen die Öffentlichkeit ab 2017 über die Entwicklung informieren müssen, und zwar „laientransparent“. Das heißt, wesentliche Kennzahlen sollen leicht verständlich aufbereitet und präsentiert werden. Heermann und Kleinlein sehen das jedoch skeptisch und meinen, es sei nicht einfach, die komplexe Materie vereinfacht darzustellen – selbst gegenüber Experten.

 

Entwicklung der Verzinsung

Weiterhin betont Gatschke, dass die Einführung des neuen Regelwerks mit der aktuellen Niedrigzinsphase am Kapitalmarkt zusammenfalle. Diese hat zur Folge, dass die Zinsen klassischer Renten- und Lebensversicherungen seit Jahren immer weiter sinken. Im Jahr 2015 lag die Verzinsung aus Garantiezins und Überschussbeteiligung nach Angaben der Ratingagentur Assekurata bei durchschnittlich 3,16 Prozent. Heermann geht davon aus, dass der Zins auch 2016 weiter sinken werde, allerdings nicht unter 3 Prozent.

 

Wichtig: Die Höhe der Überschussbeteiligung bestimmen die Unternehmen jedes Jahr neu; den Garantiezins legt das Bundesfinanzministerium auf Empfehlung von Versicherungsmathematikern und der Finanzaufsicht BaFin fest. Während letzterer derzeit bei 1,25 Prozent liegt und nur für Neuverträge gilt, beträgt er bei Altverträgen noch 4 Prozent.

 

Das Problem der Versicherungsbranche

Die Bundesbank warnte bereits, dass die Erträge der Versicherer nicht mehr ausreichen würden, um die Zinsversprechen zu halten – der Grund dafür: die niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt. Deswegen müssen die Unternehmen für die Altverträge Geld zurücklegen, was sich negativ auf die Rendite der neuen auswirkt. In den folgenden Jahren müssen sie auch den Ansprüchen von Solvency II gerecht werden, was eine zusätzliche finanzielle Belastung darstellt.

 

 

Mit Material von dpa

Bild © M&S Fotodesign – Fotolia.com

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