Flächenheizung: Vorteile und Nachteile im Überblick

Flächenheizung Vorteile und Nachteile: Ein Überblick

Eine Flächenheizung hat Vorteile und Nachteile. Letztere können sich unter Umständen aber auch in Vorteile verwandeln.

Wer unter die Häuslebauer geht, muss sich irgendwann auch mit der Frage nach der favorisierten Heizart in seinen eigenen vier Wänden beschäftigen. Fast die Hälfte aller Bauherren hierzulande entscheidet sich dabei mittlerweile für eine Flächenheizung – zumeist in Form einer Fußbodenheizung, aber auch Decken- und Wandheizungen finden immer mehr Zuspruch. Wägt man Vorteile und Nachteile gegeneinander ab, haben die Vorteile eindeutig die besseren Karten: Sie sind für die Hausbewohner nicht sichtbar, warten mit einem geringen Energieverbrauch auf und überzeugen mit einer wohligen Wärme, die sie in den Raum abgeben. Herkömmliche Heizkörper werden damit überflüssig.

 

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Flächenheizung besonders energieeffizient

Als vorteilhaft erweist sich eine Heiztechnik vor allem in Gebäuden mit guter Wärmedämmung, erläutert Birgit Holfert vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Denn in solchen Häusern gebe es auch dann nur geringe Wärmeverluste, wenn es draußen kalt ist. Eine Flächenheizung könne dort also lange Zeit am Stück in Betrieb sein, wobei geringe Temperaturen ausreichend seien, um ausreichend Wärme zu erzeugen. Dem Wirkungsprinzip von Flächenheizungen kommt dies sehr entgegen.

Wie das funktioniert, erklärt der Geschäftsführer des Bundesverbandes Flächenheizungen und Flächenkühlungen (BVF) Joachim Plate: Heizungsrohre, die unter einer Oberfläche verlegt werden, wärmen große Flächen auf. Gegenüber Radiatorheizungen mit einer viel kleineren Heizfläche sei die Flächenheizung viel effektiver. Da der komplette Boden, die Wand oder die Decke als Heizfläche zur Verfügung stünde, ist die Betriebstemperatur geringer. Eine Vorlauftemperatur von 35 Grad ist für eine solche Heizung ausreichend, wohingegen klassische Heizkörpersysteme Temperaturen von 55 bis 70 Grad benötigen.

 

Vorteilen bei der Wärmeverteilung

Laut Plate liegt über das Jahr gesehen die mittlere Fußbodentemperatur bei 22 bis 23 Grad Celsius. Selbst wenn draußen -15 Grad herrschen, sei eine Oberflächentemperatur von 24 Grad genug, um drinnen behagliche Wärme zu erzeugen, rechnet er vor. Seine Zusammenfassung der Vorteile lautet: Sie „müssen nicht so warm werden wie Heizkörper, die an der Wand stehen.“ Außerdem wird es mit einer dieser Heizung auch schon bei niedriger Betriebstemperatur kuschelig warm, da sich die Wärme nach oben hin und so im ganzen Raum verteilt. Plate empfiehlt Flächenheizungen deshalb als „gute Kombination zu modernen Heizungen mit Brennwerttechnik oder Wärmepumpen, die mit niedrigen Vorlauftemperaturen am effektivsten arbeiten.“

 

Energieeffizienz-Vorteil, aber Nachteil bei Schnelligkeit

Stellt man den Vorteilen ihre Nachteile gegenüber, wird vor allem der Kritikpunkt der Trägheit laut. Energieberaterin Holfert mahnt: Die Heizungseinstellung spontan nach oben oder unten hin zu ändern, wenn den Hausbewohnern aufgrund von Befindlichkeiten oder veränderten Außentemperaturen danach ist, gehe nicht so einfach. Um die Wärmeabgabe zu erhöhen oder zu reduzieren, würde ca. drei bis vier Mal so viel Zeit benötigt wie bei einem Heizkörper. Deshalb ist es ratsam, was für viele wie ein absolutes No-Go beim Heizen klingt: „Eine Flächenheizung sollte man […] am besten im Herbst anschalten und dann bis zum Frühjahr durchlaufen lassen. Dann ist sie am sparsamsten“, sagt Holfert.

 

Zukunftspotenzial: Selbstregulierungseffekt weiterer Vorteil

Damit bei den Flächenheizungen aus ihrem Nachteil ein Vorteil wird, ist die Branche derzeit dabei nachzuarbeiten. BVF-Mann Plate räumt ein, dass es einige Zeit in Anspruch nehme, bis sich ein solches Heizsystem nach der ersten Inbetriebnahme der jeweiligen Heizsaison eingependelt habe. Im laufenden Betrieb ergeben sich im Vergleich zu Radiatorheizungen dann aber keine nennenswerten Unterschiede mehr. Das liegt unter anderem am Selbstregulierungseffekt: Erwärmt sich die Raumtemperatur beispielsweise durch erhöhte Sonneneinstrahlung, verringert sich die automatisch die Wärmeabgabe. Kühlt sich Raumtemperatur hingegen ab, steigt die Heizleistung.

 

Mindeststandards bei Wärmedämmung

Bei Flächenheizungen handelt es sich um Niedrigtemperaturheizungen. Voraussetzung dafür, dass die Wärme im Haus bleibt, ist deshalb eine gute Gebäudedämmung. Damit die Heizungsart ihre Vorteile voll ausspielen kann, sollte sie in Häusern verbaut werden, die den Richtlinien der Energieeinsparverordnung (EnEV) entsprechen. In Häusern, die die EnEV-Vorgaben nicht erfüllen, ist zumeist eine höhere Vorlauftemperatur vonnöten. Dadurch weist die Heizung dort nach Angaben von Holfert einen höheren Brennstoffverbrauch auf. Gegenüber einem möglichst gut gedämmten Haus könne sich die Energieeffizienz dann nicht mehr richtig entfalten. BVF-Geschäftsführer Plate gibt allerdings Entwarnung: Für jeden individuellen Fall gäbe es maßgeschneiderte Lösungen.

 

Flächenheizungen können sich Ökostrom zunutze machen

Eine Wand- oder Fußbodenheizung könne demnach auch in modernisierte oder sanierte Bauten eingelassen werden. Zukunftsorientiert sei die Methode außerdem, da sie die Nutzung regenerativer Energien aus Boden, Sonne und Luft sowie der Brennwerttechnik ermögliche. Plate betont in diesem Zusammenhang, dass es vor allem wichtig sei, den energetischen Zustand eines Hauses bei der Planung einer Flächenheizung zu berücksichtigen und ggf. zu verbessern.

 

Altbau: Nachteil durch Raumhöhenverlust möglich

Bewohner eines Altbaus sollten bei der Planung zusätzlich darauf achten, dass der Aufbau nicht zu viel von der Raumhöhe wegnimmt. Denn zuerst werde eine Dämmschicht auf dem Rohbeton verlegt, anschließend die Heizrohre und dann noch eine Überdeckung, erklärt Matthias Wagnitz von Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) den Vorgang. „Das kann schon einmal drei bis vier Zentimeter Raumhöhe kosten im Vergleich zum alten Estrichaufbau.“ Bei Altbauten zudem zu beachten: Die Türstürze müssen bei der Verlegung ggf. weiter oben angebracht werden.

 

Aus Flächenheizungsnachteil wird im Sommer Vorteil

Was in puncto Raumhöhe der Flächenheizung als Nachteil ausgelegt werden kann, ist gleichzeitig auch ein Vorteil – vor allem wenn draußen erhöhte Außentemperaturen herrschen. Die vergleichsweise dicke Schicht um die Heizrohre unterstützt durch ihr hohes Speichervolumen einen weiteren Vorteil: Es wird nicht nur gewärmt, sondern es kann auch gekühlt werden. Unter Nutzung einer entsprechenden Wärmepumpe kann im Sommer einen Raum um mehrere Grad abgekühlt werden. „Man erreicht damit zwar keine Klimakälte, aber eine deutliche Absenkung der Temperaturen in einem angenehmen Bereich“, preist Wagnitz die Vorteile an. Umweltschonend und günstig sei das Kühlungsverfahren obendrein.

Wer auf die Kühlfunktion verzichten kann und einen schmaleren Aufbau bei der Fußbodenheizung bevorzugt, dem bieten sich dünnschichtige Lösungen an, deren Höhe kaum etwas von der Raumhöhe wegnimmt.

 

Mit Material von dpa

Bild © Jan Reichel

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