Warum steigen Netzentgelte?

Warum steigen Netzentgelte?

Warum steigen Netzentgelte? Die Frage stellen sich viele Verbraucher, oft ohne dabei eine befriedigende Antwort zu finden.

Gemeinhin kommt der Strom aus der Steckdose – doch unabhängig von physikalischen Prozessen ist die preisliche Zusammensetzung des Stroms umfangreicher als man vielleicht denkt. Staatliche Abgaben, Steuern und Umlagen machen immerhin 54 Prozent aus, wobei die EEG-Umlage dabei den größten Anteil daran hat. 21 Prozent des Preises ergeben sich aus den Kosten für Stromerzeugung sowie Transport und Vertrieb. Die letzte Komponente sind die Netzentgelte, die 2016 um 5 Prozent gestiegen sind. Warum? Diese Frage stellt auch Lichtblick Chef Gero Lücking und kritisiert, dass die Betreiber ein großes Geheimnis daraus machen – zu Unrecht, wie er meint.

 

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Für Kunden nicht transparent

Für einen durchschnittlichen Drei-Personen-Haushalt mit 3.500 kWh Stromverbrauch verursachen die Netzentgelte Kosten in Höhe von rund 240 Euro im Jahr. Wie die Versorger auf diese Summe kommen, wird dem Kunden aber nicht sofort klar. Lücking meint, Verbraucher würden zu viel zahlen und spricht daher von einem „skandalösen“ Zustand. Es gebe keinen Grund, dass viele Anbieter ein Geheimnis aus den Netzentgelten machen. Aus diesem Grund will der Lichtblick-Chef in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen und dem Bundesverband Neue Energiewirtschaft gegen diese Handhabe vorgehen – wann und wie dies geschieht, ist bisher noch ungewiss.

 

Die Position der Netzbetreiber

Warum die Netzentgelte steigen, ist für Netzbetreiber klar: Durch den starken Ausbau erneuerbarer Energie-Anlagen und der Stromnetze komme es zu erhöhten Kosten, die gedeckt werden müssten. Gleichzeitig werde auch mehr Geld ausgegeben, um Stromausfälle zu verhindern. Weiterhin betonen die Unternehmen, dass es sich bei der Aufstellung der Netzentgelte um interne Berechnungen handle, die zu den Geschäftsgeheimnissen zählen – das habe auch der Bundesgerichtshof in einem Urteil bestätigt.

 

Schlussendlich sollen die Regulierungsbehörden zwischen Netzbetreibern und Verbrauchern vermitteln, um die Bevölkerung möglichst objektiv zu informieren. Zumindest fordert das der Verband kommunaler Unternehmen, der die Verteilnetzbetreiber überwiegend vertritt.

 

Die Position der Kritiker

Der erste große Kritikpunkt sind die Vorgaben, die den Netzbetreibern erlauben, eine hohe Eigenkapitalquote anzusetzen. Dieses Eigenkapital wird vergleichsweise gut verzinst, was die Unternehmen entsprechend nutzen. Dadurch seien die Netze wahre Goldgruben für die Stadtwerke und Konzerne. Das aber zu Lasten der Verbraucher, die überhöhte Netzentgelte zahlen müssten, so Ingmar Streese, Bereichsleiter des Bundesverbands der Verbraucherzentralen.

 

Der zweite Kritikpunkt trifft die Regulierungsbehörden: Nur diese erfahren im Detail, wie die Netzbetreiber ihre Kosten kalkulieren. Zwar könnten Fragen dazu gestellt werden, aber eine öffentliche Kontrolle sei damit nicht gewährleistet. Robert Busch, der Geschäftsführer des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft moniert, dass dafür allzu oft das Argument „Geschäftsgeheimnis“ genannt wird, obgleich das Energiewirtschaftsgesetz eine Veröffentlichung vorsehe. Zumal es sich bei den Netzentgelten für Gas ähnlich verhalte.

 

Eine Rüge gibt es ebenfalls für die Genehmigung der Netzentgelte. Während die Bundesnetzagentur diese für Betreiber genehmigt, die mehr als 100.000 Kunden haben, erfolgt die Regulierung für die kleineren – das sind rund 900 – auf Landesebene. Lücking meint, dass gerade hier nicht ausreichend kontrolliert werde: „In der Regel werden beide Augen zugedrückt.“

 

Der Kunde hat das Nachsehen

Die Gründe für steigende Netzentgelte sind klar: Vor allem der Ausbau der Stromnetze für die erneuerbaren Energien ist einer wichtiger Grund. Prinzipiell ist das auch gerechtfertigt, da aber die Kunden keinen Einblick haben, wie viel von den Netzentgelten effektiv in die Finanzierung des Ausbaus fließt, kann den Kritikern durchaus recht gegeben werden. Dahingehend schätzt Lücking, dass die Preise um ca. 10 Prozent geringer ausfallen könnten. Schließlich sollten die Strompreise bezahlbar bleiben, wenn weiterhin 80 bis 90 Prozent der Verbraucher hinter der Energiewende stehen bleiben sollen, meint Verbraucherschützer Streese.

 

Mit Material von dpa

Bild © fongliew – Fotolia.com

 

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