Was ist Section Control und wann kommt es?

Macht Section Control das Fahren sicherer oder den Fahrer gläsern?

Section Control verspricht eine höhere Verkehrssicherheit, doch wird Kritik laut, dass Autofahrer unter Generalverdacht gestellt würden.

Rasen bis der Arzt kommt – im wahrsten Sinne des Wortes. Zu schnelles Fahren ist Unfallursache Nummer eins auf Deutschlands Straßen. Auch der Blitzmarathon am 21. April 2016 half nur bedingt, die Fahrer zum Umdenken zu bewegen. Das Bundesland Niedersachsen führt deswegen im Sommer 2016 das sogenannte Section Control ein. Dadurch soll ein schnelles Abbremsen vor dem Radargerät nicht davor schützen, ein Bußgeld für zu schnelles Fahren zu kassieren.

 

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Warnung vor Radarfallen wirkungslos

Bisher haben viele Navigationsgeräte den Fahrer vor Blitzern gewarnt: Er konnte die Geschwindigkeit reduzieren und fuhr nach der Radarfalle wieder schneller. Mit Section Control soll dieser Trick aber nicht funktionieren. Diese neue Methode wird ab Sommer 2016 auf einem längeren Straßenabschnitt in Niedersachsen eingesetzt. Ziel ist es, das Unfallrisiko zu minimieren und Temposündern letztlich auf die Schliche zu kommen. Raser könnten so öfter ein Bußgeld zahlen müssen oder gar ihren Führerschein zeitweise abgeben. Von offizieller Seite stehe dabei die Verkehrssicherheit im Mittelpunkt und nicht das Abkassieren beim Fahrer.

 

Wie funktioniert Section Control?

Anders als bei klassischen Radarfallen wird über einen längeren Abschnitt auf der Fahrbahn die Geschwindigkeit aufgezeichnet. Dazu schießen Kameras am Eingangs- und Endpunkt ein Foto vom Heck des Autos. Über eine satellitenbasierte Messung wird dann die Geschwindigkeit des Autos zwischen den beiden Punkten berechnet. Liegt diese über der offiziell zugelassenen, löst der eigentliche Blitzer hinter dem Abschnitt aus. Wird das Tempo nicht überschritten, brauchen sich Autofahrer also nicht davor zu fürchten, geblitzt zu werden und mit Konsequenzen zu rechnen.

 

Bedenken beim Datenschutz

Section Control, das in Deutschland mit Messinstrumenten von Jenoptik ausgestattet ist, wurde bisher erfolgreich in Australien, den Niederlanden und Österreich eingesetzt. Dort gab es, wie in Deutschland aktuell auch, datenschutzrechtliche Bedenken: Was geschieht mit den Bildern der Fahrzeuge, die sich an das Tempolimit halten? Bis auf wenige Details haben die Verantwortlichen eine Lösung gefunden. Demnach werden Aufnahmen verschlüsselt und nur dann frei gegeben, wenn eine Übertretung der Geschwindigkeit vorliegt. Andernfalls sollen die Bilder sofort gelöscht werden.

 

Ungeachtet dessen meinen manche Kritiker, dass jeder Fahrer unter Generalverdacht stünde. Anders als bei der klassischen Radarfalle werden sämtliche Autos erfasst und nicht nur die, die zu schnell sind. Daniela Mielchen, Fachanwältin für Verkehrsrecht, moniert diesen Zustand und meint gegenüber der „Welt“, dass dadurch demokratische Prinzipien und die obersten Grundrechte verletzt würden. Barbara Thiel, die Datenschutzbeauftragte Niedersachsens, äußerte Bedenken darüber, wie die über Funk übertagenen Bilder wirksam verschlüsselt würden.

 

Verkehrssicherheit vs. gläserner Bürger

Nach Ansicht des ADAC ist außerdem die Frage offen, ob die Aufnahmen vom Heck des Autos verfassungskonform sind. Diese und andere Punkte müssen noch diskutiert werden und könnten unter Umständen nur vor Gericht entschieden werden. Obwohl das System auf der Teststrecke der B6 bei Hannover noch nicht funktioniert, hat es bereits eine abschreckende Wirkung: Wie die Hannoversche Allgemeine Zeitung berichtet, gab es seither kaum mehr schwerwiegende Verkehrsunfälle. Vor der Installation war die Strecke zwischen Gleidingen und Laatzen oft Schauplatz schweren Kollisionen.

 

Mit Material von golem, welt, haz

Bild © styleuneed – Fotolia.com

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